Von der Feldarbeit

Wie verlief früher die Feldarbeit?

Kaum war der Boden im zeitigen Frühjahr abgetrocknet, da hatte der Bauer schon keine Ruhe mehr. Der Kunstdünger wurde mit der Hand ausgebracht. Die Äcker wurden mit dem Gespann abgeschleppt, damit sie zum Säen schneller austrockneten. Auch die Kartoffeln wurden mit der Hand gelegt; 20 Zentner an einem Nachmittag waren keine Seltenheit.

Kaum waren die Saaten aufgegangen, musste das Unkraut gehackt und die Disteln gestochen werden. Zu unserer Zeit kannte man noch keine chemischen Unkrautvernichtungsmittel. Wenn das Getreide schosste, musste der Flughafer herausgerissen werden. Ganze Armbündel kamen zusammen. Sie trug man hinaus auf den Wegrand. Später, wenn sie ganz trocken waren, wurden sie verbrannt.

Im Sommer, dem Höhepunkt der Bauernarbeit, waren die Nächte kurz. Bis die Sonne aufging, musste das Grünfutter für das Vieh daheim sein. Mit der Sense mähen, zusammenrechen, aufladen, mit dem Wagen heimfahren, in die Futterkammer schaffen und ausbreiten, damit es nicht heiß werden konnte.

Wenn diese Arbeiten getan waren, ging es hinaus aufs Feld zur Erntearbeit. Schneiden, aufnehmen, bündeln, zu Garben binden, Garben aufstellen und das Feld zusammenrechen. Diese Arbeiten zogen sich bis 9 Uhr abends hin. Wenn man vom Feld heim kam, musste ja noch der Stall gemacht werden: Füttern, tränken, ausmisten, einstreuen, melken … Tag für Tag.

Kaum waren die ersten Getreidefuhren in der Scheune, kam die Dreschmaschine. Es musste vorgedroschen werden, sonst hätte man ja gar nicht alles in der Scheune untergebracht. Täglich musste jemand hinaus zum Dreschen. Nach der Getreideernte schloss sich das Stoppelackern an, und im September kamen die Kartoffeln heraus. Kartoffeln heraushacken, zusammenlesen, in Säcke leeren, auf den Wagen laden, nach Hause fahren, in den Keller bringen, Kartoffelacker aufeggen, nachlesen, Kartoffelkraut zusammentragen und verbrennen.

Dann folgte die Rübenernte, aufwendig und mühsam. Ein Teil kam in den Rübenkeller, ein anderer in die Rübenmiete. Kurzum, es gab keinen freien Tag im Jahr. Mein erster landwirtschaftlicher Urlaub steht mir noch aus!

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