Erinnerungen an die Kinder- und Jugendzeit

Wenn ich manch­mal über mein Leben nach­den­ke, kann ich mich bis zu mei­nem vier­ten Lebens­jahr zurück erin­nern. Erwäh­nen möch­te ich noch, dass mein Vater, als ich sie­ben Jah­re alt war, die alte Stal­lung, ein rich­ti­ges Loch, ein­rei­ßen und neu bau­en ließ. Der alte Stall war so klein, dass man kaum zwei Zug­och­sen und zwei Mast­rin­der stel­len konn­te. Das Fut­ter muss­te in der Scheu­ne gela­gert und von da in den Stall geschleppt wer­den.

In der Mit­te war ein Gän­se­stall und vor­ne der Pfer­de­stall. Die Pfer­de mach­ten ihren Mist bis vor die Türe, dass die­se früh oft erst ein­ge­drückt wer­den muss­te. Zwei Mau­rer hat­ten den gan­zen Win­ter Stei­ne zu rich­ten. Dann im Früh­jahr ging das Ein­rei­ßen los. Es wur­de alles mit der Hand gemacht, und es muss­te der gan­ze Schutt mit dem Pfer­de­wa­gen weg­ge­fah­ren wer­den. Als wir die alte Dach­kon­struk­ti­on abge­baut hat­ten und gera­de Pau­se mach­ten, tat es auf ein­mal einen fürch­ter­li­chen Schlag. Der Vor­der­gie­bel war mit Don­ner­ge­tö­se in den Hof gefal­len. Wären wir drau­ßen gewe­sen, wer weiß, wie­viel Tote es gege­ben hät­te.

Beim Dach­de­cken muss­te ich schon Zie­gel scho­cken wie ein Erwach­se­ner. Ja, uns ist nichts geschenkt wor­den. Mein Vater war da äußerst streng, und das war gut so.

Unser Kuh­stall war im Haus unter­ge­bracht. Er war auch ein unmo­der­nes Loch. Der Fut­ter­wa­gen muss­te rück­wärts gegen die Haus­tü­re gebracht wer­den und das Fut­ter durch den Haus­gang in die klei­ne Fut­ter­kam­mer geschafft wer­den.

Die Fut­ter­rü­ben tru­gen wir mit Köt­zen hin­ein. War das eine har­te Arbeit! Kurz­um, es gab kei­nen frei­en Tag bei den Bau­ers­leu­ten, auch im Win­ter nicht. Alle vier Wochen muss­te Stroh geschnit­ten wer­den. Ehe die Elek­tri­zi­tät kam, dreh­ten zwei Män­ner das Hand­mes­ser und einer leg­te das Stroh auf dem Tisch ein. Bei schö­nem Win­ter­wet­ter gin­gen die Knech­te in den Wie­sen­grund, um Holz zu machen. Dort war doch jede Par­zel­le mit Erlen, Wei­den­bäu­men und Eschen umsäumt. Was war doch die­ser Wie­sen­grund von hier nach Eichel­see für ein Vogel­pa­ra­dies! Es gab kaum eine Vogel­art, die hier nicht hei­misch war: Eulen aller Art, Bus­sar­de, Krä­hen, Els­tern und die gro­ße Zahl der klei­nen Sing­vö­gel.

Beim Schrei­ben kommt mir jetzt noch eine ande­re Erin­ne­rung aus mei­ner Kin­der­zeit: Ich war sie­ben bis acht Jah­re alt. Mein Bru­der in Achol­s­hau­sen, ein Jahr jün­ger als ich, spiel­te mit ande­ren Kin­dern am Dorf­wei­her. Da war so ein Lau­ser, der mit mei­nem Bru­der einen üblen Scherz spiel­te. Als mein Bru­der so schön ins Was­ser schau­te, gab er ihm von hin­ten einen Stoß, dass er ins Was­ser fiel. Natür­lich brach ein lau­tes Schrei­en und Hil­fe­ru­fen aus. Beim Haus vom Pfeufer waren gera­de die Tünch­ner beim Haus­ver­put­zen. Der Tünch­ner­meis­ter, ein gewis­ser Süß­mei­er aus Hop­fer­stadt, erkann­te sofort die lebens­ge­fähr­li­che Situa­ti­on, sprang vom Gerüst, rann­te zum Wei­her und ret­te­te mei­nen Bru­der vor dem Ertrin­ken. Mein Vater hat ihn für die­se Tat gut ent­lohnt.

Im Jah­re 1907/08 wur­de in Gau­kö­nigs­ho­fen viel gebaut: Das Dok­tor­haus, der Kin­der­gar­ten, die Wirt­schaft zur Gau­bahn und die Wirt­schaft zum Gau­gra­fen. Es sind lau­ter Monu­men­tal­bau­ten, und wur­den alle von Bau­meis­ter Kili­an Höf­ner errich­tet.

Um 1900 ist auch die Land­ma­schi­nen­fa­brik erstellt wor­den. Sie brann­te 1907 ab und ist gleich wie­der zur vol­len Blü­te erstan­den. Als Hit­ler an die Macht kam und sie jüdi­scher Besitz war, muss­te die Fer­ti­gung ein­ge­stellt wer­den.

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