Schicksalsschläge

Am 19. September 1913 starb meine Mutter mit 43 Jahren an Magendurchbruch. Das war mitten in der Herbstarbeit. Sie hinterließ zehn Kinder. Der Erste Weltkrieg stand bevor. Mein ältester Bruder war wohl 19 Jahre alt und meine älteste Schwester 20 Jahre, doch es fehlte etwas im Haus. Wir spürten es jeden Tag. Zum Glück waren noch die Großmutter, eine Großtante und eine Tante, die Schwester meines Vaters, da.

Dann kam das Jahr 1914, als es am 1.August den ersten Donnerschlag tat . Mein großer Bruder musste auch sofort einrücken. Alle Männer von 20 bis 45 Jahren mussten in den Krieg. Wie sollten wir Buben, ich war 14 Jahre alt und mein anderer Bruder 13, den Betrieb weiterführen? Wir hatten wohl immer mitgeholfen, doch es fehlte uns doch an Erfahrung. Mein Bruder Adam, geboren 1898, studierte Medizin. Den wollten wir auch nicht vom Studium wegholen. So machten wir es halt allein.

Im Jahre 1916 bekamen wir einen französischen Gefangenen. Zum Glück war er ein Bauernsohn, der die Arbeit kannte. In den Ferien half mein Bruder Adam tüchtig mit. 1916 meldete er sich freiwillig zu den Fliegern. Bald wurde er Fliegerleutnant. Nach dem Krieg machte er seinen Doktor. Als er fertig war, stürzte er bei einer Bergtour am 19.Juli 1923 in den österreichischen Alpen tödlich ab. Wir haben ihn heimgeholt und auf unserem Friedhof zur ewigen Ruhe gebettet.

Mein ältester Bruder war in Gefangenschaft und kam auch halb krank aus dem Kriege nach Hause. Er übernahm dann 1923 in der Inflation das Anwesen. Wir wurden mit Millionen abgespeist. Als das Geld wieder aufgewertet war, bekam jedes Kind 7.000 Mark neues Geld. Das war mein Grundstock.

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