Von unserem Feldkreuz

Eine Erinnerung möchte ich noch mit einbeziehen. Vor der Flurbereinigung ging ein schöner Feldweg von Gaukönigshofen nach Eichelsee. Er wurde besonders bei der Bittwoche benutzt. Eichelsee wallte am Bittmontag nach hier, und Gaukönigshofen am Bittdienstag nach Eichelsee. An diesem Feldweg lag ein Acker in der Größe von 75 a. Neben dem Feldweg, am Rande des Ackers stand ein Feldkreuz, das meine Großeltern Andreas und Margareta Dürr errichtet hatten.

Ich habe mir sagen lassen, dass man in früheren Zeiten am Hagelfeiertag dorthin gewallt ist. Als mein Vater 1910 starb, war dieses Kreuz meiner Mutter einziger Trost. Ich kann mich an diese Zeit noch gut erinnern. An den Sonntagen im Sommer sagte unsere Mutter immer zu uns: „Kommt Kinder, wir gehen hinaus zum Heubrücker Kreuz!“. So hieß die Ackergewanne. Wir liefen durch den schonen Wiesengrund und beteten dabei einen Rosenkranz für unseren lieben Vater. Auch hatten wir aus dem Garten einen schönen Blumenstrauß mitgenommen, den legten wir auf den Sockel des Kreuzes. Manchmal war es auch ein Feldblumenstrauß. So standen wir alle am Kreuz. Mutter konnte in Gedanken an den Verstorbenen sich der Tränen nicht wehren. Da weinten wir Kinder mit.

Für unsere Mutter war es ein schwerer Schlag. Sie war ja erst 40 Jahre alt und hatte zehn Kinder zu versorgen. Doch sie holte sich bei diesem Kreuz immer Kraft und Trost. Einige Jahre nach der Flurbereinigung stand es noch dort mitten im Feld. Bald war es den modernen Maschinen im Wege und es musste weichen.

Einige Zeit stand es dann an der Feldscheune, bis es am Anfang der Rosengartensiedlung einen Ehrenplatz erhalten hat.

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