Als im Ersten Weltkrieg die Glocken vom Turm kamen

Noch eine Erin­ne­rung. Wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges waren Edel­me­talle wie Kup­fer, Mes­sing, Zink usw. sehr knapp. Da wur­den Kir­chen­glo­cken, Kup­fer­dä­cher, Kes­sel und Röh­ren der Schnaps­bren­ne­reien und alles, was aus Edel­me­tall war, abge­baut und abgeholt.

Die Sachen wur­den beschlag­nahmt und muss­ten abge­lie­fert wer­den. Auch wir zu Hause waren betrof­fen. So muss­ten wir unsere bei­den Gar­ni­tu­ren zum Schnaps­bren­nen für ein paar lum­pige Mark her­ge­ben. Unsere Kir­che besaß ein wun­der­schö­nes Geläut. Die alten Leute sag­ten immer, dass die alten Glo­cken an Ort und Stelle gegos­sen wor­den sind. Da wären die Bewoh­ner hau­fen­weise gekom­men und hät­ten Sil­ber­mün­zen in die bro­delnde Masse gewor­fen. Von daher wäre die­ser schöne Klang gekom­men. Ich sehe es heute noch, wie man die Glo­cken her­un­ter­ge­holt und zer­schla­gen hat. Mir klingt immer noch der erste Ham­mer­schlag in den Ohren. Die Leute, die das zer­stö­re­ri­sche Werk mit anschau­ten, wein­ten. Sie sag­ten: „Jetzt ist der Krieg ver­lo­ren!“. Wie soll­ten sie recht behalten!

Aus geweih­ten Sachen fer­tigt man keine Kano­nen und keine Geschosse, um auf­ein­an­der zu schie­ßen. Das bringt kein Glück.

Auch muss­ten sämt­li­che Mes­sin­gleuch­ter dran glau­ben. Und wirk­lich, von da an ging es abwärts mit dem Siegen.

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