Ein heißer Sommertag in Frankreich

Berich­ten möchte ich noch von einem Erleb­nis in Frank­reich wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges: Es war am 9. oder am 10. Juni 1940, ein brü­tend­hei­ßer Som­mer­tag. Die deut­schen Trup­pen führ­ten einen ver­zwei­fel­ten Kampf um den Aisne-Übergang. Drei­mal wurde eine Brü­cke über den Fluß geschla­gen und jedes­mal wurde sie von der fran­zö­si­schen Artil­le­rie zer­schos­sen. In der Nacht vom 9. auf den 1o. Juni wurde ich zur Wache ein­ge­teilt. Beim Abend­ap­pell sagte unser Spieß: „Leute seid vor­sich­tigt! Vor zwei Stun­den waren noch die Schwar­zen im Wald.“ Mein Kame­rad und ich hat­ten einen Kilo­me­ter Straße am Wald­rand zu bewa­chen. Am Wald­rand stand eine ältere Hütte. Die Läden waren zu, doch drang ein klei­ner Licht­schim­mer nach drau­ßen. Ein alter Fran­zose schaute mit einer Schnaps­fla­sche in der Hand, her­aus und bot einen Trunk an. „Non Mon­sieur!“ sag­ten wir und dach­ten dabei: „Wer weiß, was der im Schilde führt!“

Bei unse­rer zwei­ten Wache von Mit­ter­nacht bis 2 Uhr mor­gens geschah es. Was knackt da im Wald? Ist es ein Reh? Ist es ein Wild­schwein? Wir ent­si­cher­ten unsere Gewehre. Plötz­lich spran­gen zwei schwarze Sol­da­ten her­aus und hoben ihre Hände hoch. Anschei­nend waren es zwei ver­lau­fene Sol­da­ten von der fran­zö­si­schen Truppe. Wir nah­men sie gefan­gen und bewach­ten sie, bis die Ablö­sung um 2 Uhr kam. Dann nah­men wir sie mit zu unse­rer Ein­heit. Es hätte auch anders gehen kön­nen. Sie hät­ten uns, wenn wir auf den alten Fran­zo­sen ein­ge­gan­gen waren, vom Wald­rand aus umle­gen kön­nen.
Ein biss­chen Glück muss halt der Mensch haben!

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