Winterszeit

Im Win­ter fuh­ren wir Buben Schlitt­schuh oder Schlit­ten mit einem selbst­ge­bas­tel­ten Holz­schlit­ten. Da ging es oft­mals drun­ten am Wen­gerts­berg hoch her! Ein­mal ist es vor­ge­kom­men, dass ein Jun­ge mit sei­nem Schlit­ten in die Dorf­wed gesaust und unter der Eis­de­cke ver­schwun­den ist. Er konn­te nur noch tot gebor­gen wer­den. Was wur­de so im Win­ter gear­bei­tet? Dau­ernd gab es etwas zu fuhr­wer­ken. Es muss­ten Mist und Jau­che gefah­ren und die Rüben aus der Mie­te vom Feld geholt wer­den. Beim Mist­ab­la­den kamen gan­ze Scha­ren von Krä­hen, Els­tern und sons­ti­gen, über­win­tern­den Vögeln her­bei, fie­len über die klei­nen Mist­hau­fen her und such­ten nach Nah­rung. Auch das ist ein Stück Geschich­te unse­rer Hei­mat. War­um es heu­te so wenig Vögel gibt? Ich glau­be, die Mensch­heit ver­nich­tet die Natur. Bei tro­cke­nem Win­ter­wet­ter wur­den Holz und Wel­len gemacht, natür­lich alles mit der Hand. Bei Frost­wet­ter wur­de das Holz geholt, zu Hau­se mit der Hand­sä­ge gesägt und mit der Axt gespal­ten. Die Holz­schei­te setz­te man auf Stö­ße zum Trock­nen.

Wenn im Win­ter die Kar­tof­feln zum Ver­kauf kamen, muss­te auch hier sehr viel Arbeit auf­ge­wen­det wer­den: ver­le­sen mit der Hand im Kel­ler, mit Kör­ben vom Kel­ler hin­auf zur Scheu­nen­ten­ne tra­gen, in Säcke abfül­len, auf den Wagen laden, zur Bahn fah­ren und dort in die Wag­gons ver­la­den. Was war das Ein­la­den für eine har­te Arbeit! An man­chen Tagen trug man für zwei Wag­gons 600 bis 800 Zent­ner auf dem Rücken hin­ein. Bei jedem Sack bekam man noch einen gan­zen Schwall Schmutz in den Rücken. Wie sah man da am Abend aus bei dem vie­len Schmutz in den Säcken! Wer es nicht selbst mit­ge­macht hat, hat gar kei­ne Ahnung, wie es frü­her war. Wie hart muss­ten da die Leu­te ihr Brot ver­die­nen!

Oft gab es im Win­ter so viel Schnee, dass der gan­ze Ver­kehr ruh­te. Da muss­ten wir zum Schnee­schau­feln auf die Stra­ße, denn die Hohl­grä­ben waren ganz eben geweht. Auch kam es vor, dass die Bahn zwi­schen Gau­kö­nigs­ho­fen und Rit­ters­hau­sen im Schnee ste­cken geblie­ben war und erst aus­ge­schau­felt wer­den muss­te. Nach­mit­tags, wenn es ein­mal nicht so kalt war, muss­ten wir hin­auf auf den Spei­cher und das Saat­ge­trei­de mit der Putz­ma­schi­ne für die Früh­jahrs­saat her­rich­ten .

Von einem schö­nen Erleb­nis aus die­ser Zeit möch­te ich auch noch berich­ten: Ich erin­ne­re mich. Es war ein sel­ten schnee­rei­cher Win­ter. Ich glau­be, es war der Win­ter 1929. Es lag so viel Schnee, dass es unmög­lich war, mit einem Fuhr­werk auf das Feld zu fah­ren. So kamen alle zu uns, um unse­ren Pfer­de­schlit­ten aus­zu­lei­hen, um das Aller­nö­tigs­te auf das Feld zu schaf­fen oder her­ein­zu­ho­len. Da die Pfer­de alle Tage Bewe­gung haben muss­ten, spann­te ich sie in den Schlit­ten ein. Auf den Schlit­ten leg­te ich fünf bis sechs Sitz­bret­ter und setz­te die hal­be Dorf­ju­gend dar­auf. Die Pfer­de beka­men ihr „Schnee­ge­röll“ umge­hängt und los ging die Schlit­ten­fahrt über Wolks­hau­sen, Rit­ters­hau­sen, Eichel­see und wie­der zurück nach Gau­kö­nigs­ho­fen. Wenn wir durch ein Dorf fuh­ren, rief ich: „So, nun wird ein schö­nes Lied gesun­gen!“ Was war das für eine Freu­de und für ein Hal­lo! Ja, es gab frü­her auch schö­ne Freu­den, aber in einer ande­ren Form als heu­te!

Die Kin­der hat­ten einen ganz ande­ren Respekt den älte­ren Leu­ten gegen­über. Heu­te grüßt kaum noch ein Kind einen Erwach­se­nen.

Eine wich­ti­ge Arbeit zur Win­ters­zeit war auch das Dre­schen des Rog­gen­strohs, das man zum Seil­ma­chen brauch­te. Es war kei­ne leich­te Arbeit. Kam jemand beim Dre­schen mit den Dresch­fle­geln aus dem Takt, das bei Anfän­gern öfters der Fall war, schlug der Vor­dre­scher mit sei­nem Dresch­fle­gel gegen die Bar­ren­wand und rief ein „Dun­ner­keil“. Dann hat es wie­der geklappt. Lag genü­gend Stroh bereit, begann bei schlech­tem Wet­ter im war­men Stall das Stroh­seil­ma­chen.

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