Allerlei

Gleich nach Beginn des Ersten Weltkrieges war eine große Schweine-Seuche ausgebrochen. Die Schweine mussten notgeschlachtet werden. Am Abend kamen sie mit dem Zuge fort. Bei 30 Grad Hitze wurden sie in offene Waggons gehängt. Oftmals waren es zwei, manchmal sogar drei. Wie sah es da aus! Man traute sich gar nicht hinzuschauen. Bei manchen Tieren wimmelte es schon, doch es durfte in dieser Kriegszeit nichts kaputt gehen. Im Dorf gab es auch eine Kaffeerösterei. Während des Krieges stellte sie auf Marmelade um, die aus Melonen und Rüben hergestellt wurde. Die Fabrik besaß als Transportmittel einen Pritschenwagen mit zwei Pferden. Einmal habe ich zugeschaut, wie beim Transport zur Bahn drei Stüchte vom Wagen gerutscht sind. Die Deckel sprangen auf und die Marmelade floss in den Straßenstaub. Der Kutscher sprang vom Bock, fasste die Marmelade mit den Händen mitsamt des Staubes wieder ein, machte den Deckel drauf und fuhr dann zur Bahn. Guten Appetit!

Die Schulkinder sammelten für die Soldaten Teekräuter. Auch die Brennnesseln, wenn sie auch meterhoch waren, mussten gesammelt werden. Sie galten als Ersatz für Flachs. Ich kann mich noch an ein solches Kleidungsstück aus Brennnesseln erinnern. Als ich in der Kaserne mein erstes Hemd bekam und anzog, konnte ich es vor lauter Kribbeln kaum aushalten.

Auch die Nahrung war nichts besonderes. Das Gemüse war bloß durchgemahlen, ohne Einbrenne, aber so eingedickt, dass das Messer drinnen stecken blieb. Es gab Gerstengrützesuppe, Kaffee ohne Milch und Zucker, und am Abend Tee und dazu eine Brotschnitte mit Kunsthonig. Die Kartoffeln wurden mitsamt der Schale auf das Gemüse gehaut. Aber man hat es vor lauter Hunger gegessen. Als Löhnung bekam ich alle zehn Tage zwei Mark. Da musste man noch seinen Eigenbedarf an Stiefelwichse, Zahnpasta und Schreibpapier kaufen. Da blieb für ein Bier nicht viel übrig.

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