Von der Wiege bis zur Bahre

Wie war es bei einer Kinds­taufe? Es war nicht so zere­mo­ni­ell wie heute. Es wur­den nur die nächs­ten Ver­wand­ten ein­ge­la­den und es gab Kuchen und Kaf­fee. Torte kannte man damals noch nicht so sehr. Das Mahl war ein­fach: Meis­tens wur­den Brat­würste auf­ge­tischt und dazu wurde ein guter Wein ein­ge­schenkt. Die „Schrods­nanne“, die Heb­amme, führte haupt­säch­lich das Wort. Sie erzählte aus ihrem Fach. Da durf­ten wir Kin­der nicht zuhö­ren. „Ihr habt nicht hin­zu­hö­ren! Ihr seid hin­ter den Ohren noch nicht tro­cken!“ hieß es.

Wie war es bei einer Bau­ern­hoch­zeit? Da wurde zwei Tage gefei­ert. Am Hoch­zeits­tage wur­den die Gäste mit der Chaise zum Hoch­zeits­haus gefah­ren. Der Fuhr­mann, Knecht oder Bau­ern­bur­sche, bekam in einem Extrastüb­chen ein lecke­res Mahl und Wein nach Belie­ben. Dort blieb er sit­zen, bis die Feier in der Kir­che vor­bei war. Beim ers­ten Böl­ler­schuss hieß es dann „Platte put­zen“. Ein jeder wankte zu sei­nem Gefährt und fuhr dann heim. Die Pferde fan­den den Weg schon allein. Am nächs­ten Tag, so war es aus­ge­macht, war man bis mit­tag 2 Uhr wie­der da. Wie­der wur­den gute Spei­sen auf­ge­tra­gen. Es wurde Abend, bis es zur Heim­fahrt ging. O glück­li­che Jugend­zeit, wie bist du so weit, so weit! Bei der Hoch­zeit eines rei­chen Bau­ern war auch die Musik ein­ge­la­den. Sie bekam einen Extra­tisch und musste ab und zu ein Stück auf­spie­len. Auch ein Schütze war dabei. So oft die Braut oder der Bräu­ti­gam die Stube ver­lie­ßen, musste er auf der Lauer sein und ein paar Schüsse los­knal­len. Wir besa­ßen noch zwei alte Vor­der­la­der vom 66er-Krieg. Sie wur­den zu Hoch­zei­ten immer aus­ge­lie­hen. Wuss­ten die Braut­leute, wer geschos­sen hatte, gab es immer ein paar Fla­schen guten Hochzeitsweins.

Bei einer Beer­di­gung war es so Brauch: Die Vor­be­ter des Rosen­kran­zes beka­men je eine Fla­sche Wein. Auch die Sarg– und der Kreuz­trä­ger wur­den in die Wirt­schaft ein­ge­la­den. Das ist ja heute auch noch so. Auch die Dorf­ar­men gin­gen damals nach dem Lei­chen­schmaus nicht leer aus. Die alten Sit­ten und Gebräu­che ver­schwin­den mit der Zeit. Beim Gebet-, Mit­tag– und Abend­läu­ten ent­blöß­ten die Män­ner ihre Köpfe zu einem kur­zen Gebet, ebenso beim Frei­tags­läu­ten um 3 Uhr. Heute denkt nie­mand mehr daran. Alles ist dahin, alles vorbei.

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