Kriegsende und die Zeit danach

1. April 1945. Brände über­all, wohin man nur schaute Feuer. Die ame­ri­ka­ni­schen Pan­zer stan­den vor dem Dorf und die deut­schen Sol­da­ten lagen an der Wolks­häu­ser Straße. Ent­lang die­ser Straße fand man spä­ter in den Schüt­zen­lö­chern Gefal­lene. Es gab kei­nen Wider­stand mehr, doch die Ame­ri­ka­ner trau­ten sich nicht durch das Dorf zu fah­ren. End­lich wur­den die ers­ten wei­ßen Tücher gehisst. Die Pan­zer­ko­lonne begann zu rol­len. Nun erst atmete ich auf. Die­ser Krieg machte mir nichts mehr zu schaf­fen! Einige Zeit durf­ten wir nicht auf das Feld, weil noch über­all in der Umge­bung Kämpfe tob­ten. Im Stall­dor­fer Wald noch acht Tage lang. Es war eine schwere Zeit.

Für uns kamen noch ein paar harte Jahre. Wir muss­ten unser Anwe­sen noch ein­mal zurück­kau­fen. Da es vor 1938 jüdi­sches Eigen­tum war, wurde der erste Kauf für nich­tig erklärt. Nun musste es noch ein­mal nach der Wäh­rungs­re­form 1948 mit gutem Geld bezahlt wer­den. Auch muss­ten wir uns erst kom­plett ein­rich­ten. Wir hat­ten kein Vieh, keine Wägen, keine Maschine, kein Werk­zeug, ein­fach nichts. Da ich zu die­ser Zeit immer sechs bis acht Bie­nen­völ­ker besaß und zu die­ser Zeit immer viel Raps ange­baut wurde, erhielt ich viel Honig, der ein gutes Tausch­mit­tel war.

Mein Schwie­ger­va­ter, auch ein klei­ner Kuh­bauer, neben­bei auch Mau­rer, und ich kauf­ten uns einen leich­ten Mäh­bin­der. Zahl­mit­tel war Bie­nen­ho­nig. Und so war es mit allem. Mit zwei unge­wöhn­ten Kühen fing ich nach dem Krieg an. Mein größ­ter Bestand waren ein­mal sie­ben Stück Rind­vieh und sechs Schweine. 1957 kaufte ich mir einen klei­nen Trak­tor und einen Gum­mi­wa­gen. Auch pach­tete ich einige Hektar Feld dazu. Wir hat­ten 3,5 ha eige­nes und 3,5 ha Pacht­feld. All­mäh­lich wurde es immer bes­ser im Betrieb und es kam Stück um Stück dazu. Ein Glück für uns war es, dass die Land­wirt­schaft­li­che Alters­kasse auf­kam, sonst hät­ten wir heute nichts, denn frü­her wurde für die nach­ge­bo­re­nen Bau­ern­söhne nichts geklebt und auch kein Kran­ken­geld bezahlt.

Da unser Haus nur ein Dach­ge­schoß hatte, das auch sehr schlecht war, und auch fünf Kin­der da waren ‚fiel es uns ein, das Haus auf­zu­sto­cken. Ein mas­si­ver Unter­bau war ja da. Es war schon ein gro­ßes Wag­nis, denn wir muss­ten 40.000 DM auf­brin­gen. Aber wir haben es geschafft. 1965 erreichte ich mein Ren­ten­al­ter und seit die­ser Zeit bekomme ich die Alters­rente. Meine Frau hat auch noch eine kleine Rente, nicht sehr viel.

Ich habe immer gehofft, dass eins von unse­ren Kin­dern den Hof über­nimmt, doch alle sind aus­ge­flo­gen. Wir haben 12 Enkel­kin­der. Viel­leicht ist da ein­mal eins froh damit. So wol­len wir hof­fen und bis zum Ende weitermachen.

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