Von der Gaubahn

Weil ich mich heute mit der Bahn befasse, möchte ich einige wenige Erinnerungen niederschreiben.

Was war nicht alles los auf unserem Bahnhof. Es verging fast kein Tag, an dem nicht fünf bis zehn Waggons abgestoßen wurden. Da war einmal das Viehverladen. Im Februar und März, wenn der Ochsenhandel blühte, kamen fast jeden Tag ein bis zwei Waggons Jungochsen. Diese wurden gegen gut eingefahrene mit entsprechendem Aufgeld eingehandelt. Sie kamen nach Norddeutschland auf die großen Güter. Kartoffeln sind den ganzen Winter über verladen worden. Wir lieferten meistens das Stroh zum Verladen der Kartoffeln. Bei großer Kälte waren es oftmals sechs bis acht Zentner; normal wurden vier benötigt. Das Stroh musste schon früh um 7 Uhr an der Bahn sein, denn der Waggon musste bis 10 Uhr verladen sein. Es kam öfters vor, dass zwei bis drei Waggons geladen wurden. Auch wurden viel Klee und Stroh verladen.

Das ganze Baumaterial kam mit der Bahn: Backsteine, Ziegel, Sand, Eisenträger, einfach alles, was man zum Bau benötigte. Da gab es immer Arbeit beim Ausladen. In den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, als die ersten Bindmäher aus Amerika zu uns kamen, erreichten täglich einige Waggons Gaukönigshofen. Die Mähbinder waren in großen Kisten verpackt. Ein Stapel am Bahnhof war haushoch.

Auch für das Lagerhaus kamen immer einige Waggons mit: Kunstdünger wurde angeliefert, Getreide abgeliefert, auch Futtermittel und Saatgut waren dabei. Wenn morgens der Güterzug von Ochsenfurt herausdampfte, hingen 20 bis 30 Waggons dran, denn die Strecke Ochsenfurt-Weikersheim musste beliefert werden. Und wie wichtig war die Gaubahn im Ersten und Zweiten Weltkrieg bei der Mobilmachung. Die Waggons waren gestopft voll mit Soldaten. So begeistert sie in den Krieg zogen, so entmutigt kehrten sie heim. Viele, viele sahen ihre Heimat nie wieder.

Auch der hiesige Bahnhof war ein Umschlagplatz für den Flugplatz Giebelstadt. Es verging kein Tag, wo nicht einige Waggons Versorgungsgüter für den Flugplatz dabei waren. Als das Gleis nach Giebelstadt gelegt wurde (1936 bis 1938), wurde Tag und Nacht an dieser Bahnlinie gebaut. Heute ist das meiste wieder Ackerland. Wie kurzlebig ist doch die Zeit!

Wie war es mit der Güterhalle?
Was für eine schöne Einrichtung war sie. Die Bahn brachte auch
eine Vielzahl Kleingüter mit, was man sich nur denken konnte. Von den Ferkeln vom Schweinemarkt bis zu den Eintagsküken reichte die Spanne an Kleintieren. Ich kann mich noch erinnern, dass wir einmal am Pfingstsonntagmorgen die Küken abgeholt haben. Wenn man einen größeren Einkauf in der Stadt tätigte, war dies kein Problem. Es wurde alles mit der Bahn angeliefert.

Wie war es mit dem Personenzug?
Etwas Schöneres gibt es nicht. Man saß gemütlich im Waggon, unterhielt sich und hatte keine Fahrtsorgen. Dreimal ging der Zug täglich hin und her. Der Fahrpreis war billig. Ich kann mich noch erinnern, als der Fahrpreis nach Ochsenfurt hin und zurück nur 40 Pf. kostete. Nach Würzburg hin und zurück 1 Mark 20 Pf.

Es war in den Jahren nach der Inflation so um 1928 bis 1930. Ein Freund von mir und ich, der auch so gesonnen wie ich war, waren keine Wirtshaushocker. Wir fuhren fast alle Sonntagmittage nach Würzburg. Ich kannte mich in Würzburg gut aus, da ich ja dort in der Garnison gewesen bin. Ich kannte jedes Gässchen. Wir besuchten die Museen und betrachteten die herrlichen Sehenswürdigkeiten. Zum Abschluss tranken wir noch einen Schoppen im Bürgerspital. Um 6 Uhr fuhren wir dann wieder zurück; um halb acht Uhr waren wir zu Hause. Ja, es ist keine Lüge, wenn es heißt: Die gute alte Zeit!

Auch die Post und die Pakete kamen mit der Bahn. Es war ein Extrapostwagen dabei. Die Post musste früh um 8 Uhr am Bahnhof abgeholt werden. Was gab es an Weihnachten und an Neujahr nicht alles abzuholen? Ja, die Zeiten waren hart, aber doch auch wieder schön.

Dieser Beitrag wurde unter 1914–1918, 1919–1932, 1933–1938, 1939–1945, Eisenbahn, Erster Weltkrieg, Gaubahn, Technik, Zweiter Weltkrieg veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.