Weihnachts- und Osterbräuche in meiner Jugendzeit

Am Weihnachtsabend, kurz vor der Mette, banden die alten Leute Strohseile um ihre Obstbäume, damit sie im kommenden Jahr reiche Frucht brächten. Ein besonderer Spezialist war dabei das Rummels Herrle. Hinter seiner Scheune besaß er einen großen Obstgarten. Wenn ich mich erinnere, haben die Bäume immer viel Obst getragen. Lag es an den Sorten oder am Klima?

Auch die Zwiebelschälchen mit Salz, mit denen man das Wetter des kommenden Jahres vorausschauen konnte, waren allgemein bekannt. Wurde das Salz nass, bedeutete es einen feuchten Monat, blieb es trocken, brauchte man Regenwetter nicht zu fürchten. Wenn es eintraf, war es gut, wenn nicht, war es auch nicht schlimm. Starb jemand während der zwölf Nächte, bedeutete es, dass im kommenden Jahr zwölf Leute sterben mussten.

Nun etwas von der Osterzeit: Wenn man sich in der Nacht zum Karfreitag am fließenden Wasser wusch, ging es einem das ganze Jahr gut und man blieb von Hautkrankheiten verschont. Man musste sehr früh aufstehen, damit man unbeschrien ans Wasser gehen konnte. Auch den Ostertau ließen sich die Bauern nicht entgehen. Am Abend des Karsamstags wurde ein Büschel gutes Heu ins Freie gelegt. In der Nacht fiel dann der Ostertau darauf. Am Ostersonntag bekamen es die Tiere nüchtern zum Fressen. Die Tiere sollen auch etwas von der Auferstehungskraft spüren und dadurch vor Unglück und Krankheit bewahrt bleiben. Wer macht das heute noch und glaubt daran?

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