Todesvorboten

Von frü­her her ist der Glau­be im Volk, dass sich beim Her­an­na­hen eines Todes­fal­les gewis­se Anzei­chen zei­gen. Wenn die Käuz­chen „Geh mit! Geh mit!“ schrien, wuss­te man, dass jemand ster­ben muss­te. Wenn die Pfer­de vor einem Haus, in dem ein Schwer­kran­ker lag, scheu­ten, wenn in Schrän­ken und sons­ti­gen Möbel­stü­cken die Toten­uhr oder der Toten­wurm zu hören waren, wenn ein Gewächs im Gar­ten oder auf dem Feld gelb wird oder gel­be Blät­ter bekommt, wenn die Stu­ben­uhr ste­hen bleibt oder ein Bild oder ein Spie­gel von der Wand fällt, dann kün­de­te sich der Tod an.

Es war im Sep­tem­ber 1913. Die Kar­tof­fel­ern­te war im vol­len Gan­ge. Unse­re lie­be Mut­ter lag schwer krank im Bett. Es war Diens­tag­mit­tag. Wir waren alle um ihr Bett ver­sam­melt und dach­ten, dass sie ster­ben wer­de. Mei­ne Mut­ter sah uns an und sprach: „Geht nur hin­aus Kin­der, an Eure Arbeit. Ich ster­be erst am Frei­tag­mit­tag um 3 Uhr.“ Als am Frei­tag die Glo­cken zur Todes­stun­de Chris­ti läu­te­ten, ver­ließ uns Mut­ter für immer.
R.i.P.

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