Vom Flachsanbau

In den bei­den Welt­krie­gen wur­de jedem Bau­ern vor­ge­schrie­ben, ein ent­spre­chen­des Stück Feld mit Flachs zu bebau­en. Im Früh­jahr wur­den klei­ne­re Flä­chen mit der Hand, grö­ße­re mit der Maschi­ne gesät. Nach dem Auf­lau­fen des Saat­gu­tes muss­te dar­auf geach­tet wer­den, dass das Feld unkraut­frei blieb. Beson­ders die Acker­win­de durf­te nicht auf­kom­men, sonst war der Flachs nichts wert. Auch war er sehr schwer zu ern­ten. Juli /August wur­den die Flachssten­gel her­aus­ge­rupft. Wir nann­ten es „den Flachs rau­fen“. Die Erde wur­de aus den Wur­zeln geschüt­telt, und die Sten­gel hand­voll­wei­se in lan­ge Rei­hen zum Trock­nen auf das Feld gelegt. War er gut tro­cken, wur­de er zu klei­nen Gar­ben gebun­den und auf Hau­fen gestellt. In den bei­den Krie­gen wur­de der Flachs nicht mehr im Dorf ver­ar­bei­tet, son­dern kam mit der Bahn fort in Flachs­spin­ne­rei­en. In Gau­kö­nigs­ho­fen waren es manch­mal vier bis fünf Wag­gons. Ein guter Ken­ner nahm die Ware ab und bezahl­te je nach Qua­li­tät. Alles wei­te­re war dann Fabrik­ar­beit.

Wie es frü­her war, dar­an kann ich mich noch ein biss­chen erin­nern. Nach dem Heim­fah­ren in die Scheu­ne, wur­de er gerif­felt. Das heißt, der Same wur­de ent­fernt. Die Samen­köp­fe wur­den da bei durch das Rif­fe­lei­sen, das in einem Bal­ken steck­te, durch­ge­zo­gen. Die Hal­me kamen auf die Wie­se zum Nach­dör­ren, bis die Sten­gel­scha­le mür­be wur­de. Wenn er ganz tro­cken war, wur­de der Flachs mit dem Brech­holz gebro­chen. Damit der Flachs krach­dürr wur­de, steck­te man ihn in die Back­öfen. In den meis­ten Dör­fern bestan­den die soge­nann­ten Brech­häu­ser, in denen auch Öfen zum Trock­nen stan­den. Beim Bre­chen blieb die geschmei­di­ge Flachs­fa­ser unbe­schä­digt, die mür­ben Sten­gel­tei­le zer­bra­chen und rie­sel­ten zu Boden. Durch Schwin­gen fie­len die letz­ten Scha­len­res­te ab. Als letz­te Arbeit für das Spin­nen kam nach dem Schwin­gen das Hecheln. Der Flachs wur­de dadurch spinn­fer­tig, dass alle Fasern in die glei­che Lage gebracht wur­den. Bei die­sen Arbei­ten, als auch beim Spin­nen tat man sich zusam­men. Gespon­nen wur­de mit dem Spinn­rad. Die Fäden bekam der Weber, der dar­aus feins­tes Lin­nen web­te. Eine jede Haus­frau und jede Braut hat­te ihren Stolz, einen gro­ßen Vor­rat an Lin­nen zu besit­zen. Wo wären wir im Ers­ten Welt­krieg hin­ge­kom­men, hät­te unse­re Mut­ter nicht einen gro­ßen Vor­rat an Lei­nen gehabt.

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