Originale

Zu ihnen gehör­te der Kreut­zers Engel­bert. Er war Poli­zei­die­ner und muss­te alle gemeind­li­chen Sachen aus­tra­gen, das Aus­schel­len im Dorf ver­rich­ten und für die Orts­be­leuch­tung sor­gen. Elek­tri­sches Licht gab es damals ja noch nicht. Abends, wenn es dun­kel wur­de, muss­te er die Petro­le­um­lam­pen anzün­den. Sie brann­ten so lan­ge, bis das Petro­le­um auf­ge­braucht war. Am Mor­gen muss­te er die Lam­pen put­zen und für den Abend wie­der mit Petro­le­um auf­fül­len. Er war auch Toten­grä­ber und Fah­nen­trä­ger bei den Pro­zes­sio­nen. Er trank auch gern ein­mal über den Durst.

Dann gehör­te noch der Blom­ei­ers Pilg dazu. Er war ers­ter Vieh­trei­ber bei den Juden und kam in ganz Deutsch­land her­um. Im Früh­jahr beglei­te­te er die Och­sen­trans­por­te nach Nord­deutsch­land zu den Gütern. Vier, manch­mal fünf Wag­gons muss­te er da betreu­en. Immer trug er einen fes­ten Knüp­pel­stock bei sich. Mit dem hät­te ich kei­nen über den Rücken gemocht. Er erzähl­te, dass er manch­mal 50.000 Mark in der Tasche gehabt hät­te. Es war der Kauf­preis für die Och­sen. Den Heim­weg lief er meis­tens zu Fuß. Gan­ze Tage und Näch­te sei er gelau­fen, und es hät­te nur einer kom­men sol­len, mein­te er, er wäre nicht mehr gesund nach Hau­se gekom­men. Man konn­te ihm stun­den­lang zuhö­ren.

Wei­ter gab es noch den Rup­perts Klaus. Er war Hand­lan­ger bei den Bau­ern; spä­ter arbei­te­te er im Lager­haus. Er war ein guter und leut­se­li­ger Mann und ein begeis­ter­ter Sän­ger. Beson­ders die alten Bau­ern­schnör­kel hat­ten es ihm ange­tan. Der Hüf­ners Michl war in den 90-er Jah­ren frei­wil­lig in Afri­ka da bei. Er hat­te als Mau­rer gelernt. Als er wie­der in der Hei­mat war, betä­tig­te er sich als Poli­zei­die­ner und Toten­grä­ber. Er hat die gan­ze Fried­hofs­um­bet­tung mit gemacht. Er war ein leut­se­li­ger Mensch. Er besaß ein paar Äcker­lein und hat sich so recht und schlecht durchs Leben gekämpft.

Und dann noch der Lutza Mar­tin. Als Hand­lan­ger bei den Mau­rern hat er sich elend durch­schla­gen müs­sen. Neben­bei war er noch Nacht­wäch­ter. Eine Zeit­lang war er auch Maschi­nist bei der Dresch­ma­schi­ne. Da ist es halt öfter vor­ge­kom­men, dass Mor­gens, wenn das Dre­schen begin­nen soll­te, das Loko­mo­bil kei­nen Dampf, dafür der Mar­tin einen Dampf gehabt hat­te. Er hat­te fünf Töch­ter. Sie waren alle bei Bau­ern ver­dingt. Neben ein paar Äcker­lein hat­te er auch eini­ge Zie­gen. Er hat halt gar zu gern den Maß­krug gestemmt. Es ist vor­ge­kom­men, dass er um Mit­ter­nacht in die Wirts­stu­be kam, um die Poli­zei­stun­de anzu­zei­gen. Die Anwe­sen­den mein­ten: „Na Mar­tin, setz dich her! Wir Zah­len dir eini­ge Maß!“ Es ist halt dann 2 Uhr oder 3 Uhr gewor­den, bis dann einer sein Tut­horn ergrif­fen und gebla­sen hat. „Sou, du hast racht, etz mös­sa mir auf­hör!“ mein­te dann der Mar­tin und mahn­te noch: „Bua­ba, getts scho hemm und macht keen Radau!“
Oft höwa se awer an Mar­tin mit‘m Schub­kar­ra hemm­foah­ra mös­sa.

Dieser Beitrag wurde unter Dorfleben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.