Der Kampf gegen die Spartakisten

Es war im April 1919. Fast ganz Deutschland war in den Händen der Spartakisten. Da wurde überall in den Gemeinden und in den Zeitungen geworben, die Jugend solle sich doch einsetzen im Kampf gegen den Kommunismus. Auch unser Bürgermeister setzte sich bei den jungen Soldaten der beiden letzten Kriegsjahrgänge ein und ermunterte uns, dass wir uns melden. Mein Bruder Adam, der als Fliegerleutnant aus dem Kriege heimkehrte, besaß eine große Liebe zu seinem Vaterland. So hatte er sich schon Monate vorher für die Befreiung des Vaterlandes eingesetzt und ließ nicht nach, an der Befreiung unseres lieben Bayernlandes mitzumachen. Von Gaukönigshofen waren wir drei Burschen vom Jahrgang 1898/99, die sich freiwillig meldeten. Das Freikorps Würzburg wurde aufgestellt. In der Realschule waren wir einquartiert. Wir wurden zusammengestellt zu einer Kompanie von 250 Mann und dazu kam noch eine Batterie Artillerie. Höchste Eile war geboten, denn ganz München war schon in der Hand der Spartakisten. Wir wurden auch neu eingekleidet. Auf der Uniform trugen wir eine weiß/blaue Armbinde mit einem Querstreifen der fränkischen Farben weiß/rot. Auch bekamen wir neue Gewehre, Handgranaten und Munition in jeder Menge. Nach zwei Tagen Aufenthalt in Würzburg marschierten wir zum Bahnhof, und ab ging die Fahrt in Richtung München. Unsere erste Station war Genderkingen an der Donau, wo wir auch übernachteten. Von hier wurden wir nach Olching bei München verlegt. Von da marschierten wir zur Schwabinger Bräu, wo wir während des Aufenthaltes in München einquartiert waren. Als wir in München ankamen, war schon alles von jungen Soldaten übervoll, die sich für die Befreiung unseres Bayernlandes einsetzten. Nach einigen Tagen des Kampfes war der Aufstand niedergeschlagen. Nun begann unsere Aufgabe in der Säuberung der Stadt von versteckten Kommunisten. Täglich machten wir von früh bis spät Hausdurchsuchungen. Straße um Straße wurde abgesperrt und die Häuser durchsuchte man nach Waffen.

Nach Wochen war der Spartakismus niedergeschlagen, und die Stadt München und das Bayernland konnten wieder aufatmen. Wir waren wieder frei. Nach einigen Monaten Aufenthalt in München, fuhren wir wieder heim nach Würzburg, wo wir unter großem Jubel der Bevölkerung empfangen wurden.

Ich hätte ja zur Reichswehr übertreten können, doch die Liebe zur heimatlichen Scholle war größer. Im Innersten war ich froh, dass ich zur Befreiung unseres Vaterlandes beigetragen habe. Ich besitze heute noch eine Karte, die wir erhalten haben, um Grüße nach Hause zu senden. Der Text darauf lautet: „Im Bayernland hat sich der Spartakist durch russ’sche Fremdherrschaft eingenist. Das Freikorps Würzburg zog zum Kampfe aus, und sendet treugemeinten Gruß nach Haus.“

Es wird wohl nicht mehr viele Lebende geben, die damals dabei waren, denn inzwischen sind doch schon 66 Jahre vergangen.

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